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"Die Toten von Lampedusa sind gewollt"

von Steffen Blunk

Unterlassene Hilfeleistung nennt man das, was seit Jahren an den EU-Außengrenzen passiert. Menschen sterben, weil völlig überfüllte Flüchtlingsboote kentern oder untergehen - und wir sehen zu. Hunderte Tote an einem Tag in einem Boot - wie zynisch ist es, dass erst die "Berge" von Leichen am Strand von Lampedusa - nicht die seit Jahren angeschwemmten einzelnen Toten! - zu einem Umdenken in der öffentlichen - zumindest in der veröffentlichten Meinung führen?

Am Freitag bereits titelte n-tv: "Die Toten von Lampedusa sind gewollt".

In seinem Kommentar beschreibt Christian Bartlau eindrücklich, mit welchen Tricks die EU Verantwortung von sich schiebt und mit seiner Flüchtlingspolitik gegen internationales Recht verstößt:

http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Die-Toten-von-Lampedusa-sind-gewollt-article11488011.html

Heute zieht auch die Süddeutsche nach. Heribert Prantl kommentiert unter der Überschrift "Kein Platz im Boot" die fehlende Achtung vor Flüchtlingen: "Der Massentod vor Lampedusa ist Teil der EU-Flüchtlingspolitik, er gehört zur Abschreckungsstrategie. (...)":

http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlingspolitik-der-eu-kein-platz-im-boot-1.1788385

Schon 2011 hatte ich das Thema EU-Außengrenzen in der Installationsarbeit "Unser Haus" thematisiert: Die Wände des Hauses waren aus Stacheldraht. Die Installation ging nicht nur der Frage nach, inwieweit wir unser Haus Europa nach außen abschotten, sondern auch, was geschlossene Grenzen eigentlich mit dem Menschen innerhalb des Stacheldrahts machen:

http://www.steffen-blunk.de/index.php/unser-haus.html

Ich frage mich, ob es uns Europäern - allen voran uns Deutschen! - wirklich so schlecht geht, dass wir fliehende Frauen und Kinder lieber ersaufen lassen, als ihnen unsere helfende Hand hinzustrecken. Heribert Prantl zitiert in seinem oben genannten Kommentar auch ein Flugblatt der Weißen Rose: "Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt."

Ich hoffe sehr, dass die Toten von Lampedusa in ihrem Sterben wenigstens dieses Schaffen: unsere Gleichgültigkeit zu durchbrechen!

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