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Heimaterde Vaterland - Vernissagerückblick

von Steffen Blunk

Das war die Vernissage

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Rund 60 Gäste erschienen im Laufe des Abends zu der Vernissage in die Grunewaldstraße in Schöneberg. Gut, dass es sich vorher ausgeregnet hatte, so dass die Besucher abwechslend in den Ausstellungsraum konnten. Dort hielt Monica von Rosen die Eröffnungsrede. Einige Ausschnitte:

"Der Künstler, der u.a. früher Journalist war, sagt,  er finde seine Themen auf der Strasse oder in der Zeitung. Ausgrenzung, Gewalt, Nationalismus, Rassismus, Krieg, das sind Themen die ihn ratlos und oft wütend machen“  und natürlich fließen diese  Emotionen in die künstlerischen Bearbeitungsprozesse.

Steffens  hier ausgestellte  Objekte und Bilder sind aber nicht nur politisch zu deuten sondern hier zeigt ein Künstler -  der fast seismographisch seine Besorgnis über aktuelle gesellschaftliche Tendenzen reflektiert und sie künstlerisch umsetzt   - ein Werk der sog. „Borderlines“

Er spielt bewusst mit dem Begriff der Persönlichkeitsstörungen.  Borderlines wird zum Thema der individuellen sowie kollektiven Verhaltensstörungen  und Wahrnehmungen. Ein globales Thema!

In diesem Zusammenhang entstand für den open-art-space 2011 in Potsdam eine Installation mit dem Titel „Unser Haus“.

Ich zitiere: „Auf einer Fläche von 3 x 4 Metern baute er ein Haus, dessen Wände aus Nato-Stacheldraht waren, durchsichtig, jedoch nicht durchlässig. Während außen Blumenkästen den Eindruck eines heimeligen Hauses vermittelten, wirkte das Hausinnere mit Schreibtisch, stacheldrahtbewehrtem Stuhl, stilisierter Europaflagge und grau-weißem Bild einer Gruppe von Staats- und Regierungschefs eher bedrohlich.“

Auf meinen außereuropäischen Reisen begegne ich immer wieder Menschen, denen das Visum zur Einreise nach Europa, nach Deutschland verweigert wurde. So mögen sie sich gefühlt haben im Konsulat ... so, als wären Sie auf dem Stacheldrahtstuhl gesessen während sie vergebens hofften...

Als in Berlin lebender Künstler nimmt Steffen Blunk die ehemals innerdeutsche Grenze nur noch am Rande wahr – mehr spürt er die Grenzen zwischen den Kulturen, den sozialen Schichten speziell auch zwischen den unterschiedlichen und trennenden Denkmodellen.

Und er spürte wohl eigene Abgrenzungsbedürfnisse als er in einem Spielzeugladen Puppen wie diese beiden hier sah?  In diesen monströsen Puppen spiegelt sich eine gesellschaftliche Alltagsrealität, die der Künstler herauslöste aus dem Spiel der Kinder (und dem Geschäft der Erwachsenen) und er führt den Weg des freudigen kleinen Soldaten konsequent weiter... bis er im Heldensalat mündet. Lassen Sie sich von Steffen Blunk über diesen erzählen!

Die Ausstellung wurde von den beiden Künstler spezifisch für die Galerie  von Frau Stamm konzipiert und so rahmt der Maler Hartmut Hahn die Objekte von Blunk mit seinen Landschaften örtlich zu einem faszinierendem Kunstraum ein: Es entsteht ein landschaftlicher Rahmen, der  nicht nur schön wirkt sondern der auch Bedrohliches vermittelt. Titel wie „Ein Sturm zieht auf“. „Bedrohlich vor dem Sturm“, „Bedrohlich nach dem Sturm“ haben Hinweischarakter, aber auch „Abendruhe“ oder „Landschaft im Morgendunst“.

Auch dieser Künstler hat sich mit der Geschichte der beiden Weltkriege auseinander gesetzt und Bücher wie Remarques „Im Westen nichts Neues“ beschäftigten ihn nachhaltig.

Doch seine Landschaftsbilder  haben etwas Zeitloses, könnten vor 100 Jahren ebenso wie heute entstanden sein, in Russland ebenso wie in Brandenburg, in Italien wie in Frankreich ... Sie verweigern ein objektives „Scharfstellen“. Hartmut hat hier auf verwirrende oder irritierende Weise schöne Bildwelten erschaffen (ich verweise auf das rosa Bild) doch diese nicht wirkliche Wirklichkeit entzieht sich wie eine Fata Morgana in einen Raum zeitloser und ortloser Unbestimmbarkeit.

Eine Melancholie  ist erkennbar und ein grauer Schleier des Vergessenwollens legt sich immer wieder über das unterschwellig kräftige Blau oder Grün. Hartmut erinnert  in diesen Arbeiten an die Grauzonen des Schweigens.

Es sind die  Bilder eines differenziert reflektierenden Künstlers, der den plakativen politischen Behauptungen ebenso misstraut wie dem Vergessenundvorbei-Denken.

„Ich bin Landschaft“ – so der Künstler spontan in unserem Gespräch. Ja, genauso empfinde auch ich in Landschaften, die mir wichtig sind. Oder lassen sie es mich frei nach  Musil sagen:  „Landschaften sind eine Wirklichkeit, welche  Möglichkeiten weckt. ... und zwar so lange bis ein Mensch kommt, dem eine wirkliche Sache nicht mehr bedeutet als eine gedachte.“

Wandern sie hinein in die Landschaften und Objekte der Möglichkeiten... Ich wünsche ihnen einen spannenden und stimulierenden Abend in diesem Kunstraum  und ich danke Ihnen Frau Stamm dass sie Begegnungen wie diese hier mit den Künstlern Steffen Blunk und Hartmut Hahn in ihrer Galerie möglich machen."

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